Warum es nicht sofort geht
DNS-Antworten werden zwischengespeichert — auf deinem Rechner, beim Provider, bei öffentlichen Resolvern. Wie lange, bestimmt der TTL-Wert (Time To Live) des Eintrags. Steht dort 3600, darf jeder Resolver die Antwort eine Stunde lang behalten, ohne nachzufragen.
Das ist kein Fehler, sondern der Grund, warum DNS überhaupt schnell funktioniert. Ohne Zwischenspeicher müsste bei jedem Seitenaufruf die komplette Kette abgefragt werden.
Den TTL vorher senken
Wer einen Umzug plant, senkt den TTL vor der Änderung — etwa auf 300 Sekunden. Ab dann verfällt der alte Wert schnell. Nach dem Umzug setzt du ihn wieder hoch. Wer den TTL erst bei der Änderung senkt, hat nichts gewonnen: Der alte, hohe Wert steckt bereits in den Zwischenspeichern.
Prüfen, was gerade gilt
dig +short meine-domain.de
dig meine-domain.de | grep -A1 "ANSWER SECTION"
Die zweite Ausgabe zeigt auch den verbleibenden TTL — so siehst du, wie lange die alte Antwort noch gilt.
Direkt beim autoritativen Server nachfragen, ohne Zwischenspeicher:
dig @ns1.beispiel.de meine-domain.de
Kommt hier der neue Wert, ist die Änderung korrekt gesetzt — der Rest ist reine Wartezeit.
Der lokale Zwischenspeicher
Oft ist es gar nicht das Internet, sondern der eigene Rechner:
ipconfig /flushdns # Windows
sudo dscacheutil -flushcache # macOS
Auch der Browser hält einen eigenen Zwischenspeicher — ein privates Fenster umgeht ihn.
Was realistisch ist
- A- und CNAME-Einträge: meist wenige Minuten bis wenige Stunden
- MX-Einträge: ähnlich, aber plane beim Mailumzug großzügiger
- Nameserver-Wechsel: hier greifen zusätzlich die TTLs der Registry, das kann bis zu 48 Stunden dauern
Die oft genannten „24 bis 48 Stunden" sind der Extremfall, nicht die Regel. Bei einem sauber gesenkten TTL geht es meist in Minuten.
Was du nicht tun solltest
Nicht mehrfach hin und her ändern, weil es scheinbar nicht wirkt. Damit sorgst du nur dafür, dass unterschiedliche Resolver unterschiedliche Stände haben — und die Seite für manche Besucher funktioniert und für andere nicht.