Was imapsync eigentlich macht
Wenn du deine E-Mails von einem Anbieter zu einem anderen umziehst, willst du eines auf keinen Fall: alte Nachrichten verlieren. Genau dafür gibt es imapsync — ein Kommandozeilen-Werkzeug, das eine komplette Mailbox über das IMAP-Protokoll von einem Quell-Server zu einem Ziel-Server kopiert. Inklusive aller Ordner, gelesen/ungelesen-Status, Flags und Zeitstempel.
Das Prinzip ist simpel: imapsync meldet sich gleichzeitig an beiden Servern an, liest die Nachrichten aus dem Quellpostfach und schreibt sie ins Zielpostfach. Es arbeitet inkrementell — schon kopierte Mails werden beim nächsten Lauf erkannt und übersprungen. Du kannst denselben Befehl also mehrfach ausführen, ohne Dubletten zu produzieren. Wichtig: imapsync kopiert, es verschiebt nicht. Die Quelle bleibt unberührt, bis du sie selbst löschst.
Was imapsync nicht kann
imapsync spricht ausschließlich IMAP — es überträgt also nur das, was im Mailpostfach liegt. Kalender, Kontakte und Aufgaben gehören technisch zu CalDAV/CardDAV und wandern nicht mit. Die exportierst du separat (z. B. als ICS/VCF) und importierst sie im neuen Webmail. Auch Server-Filterregeln, Abwesenheitsnotizen und Aliase sind nicht Teil der Mailbox und musst du am Ziel neu anlegen.
Zugangsdaten: Quelle und Ziel
Bevor du loslegst, brauchst du für beide Seiten jeweils vier Angaben:
- Host — der IMAP-Server, z. B. der alte Anbieter und das neue Ziel.
- Benutzername — bei den meisten Servern die vollständige E-Mail-Adresse.
- Passwort — das Postfach-Passwort. Hat dein Anbieter App-Passwörter oder 2FA, brauchst du ein dediziertes App-Passwort, kein Login-Passwort.
- Port/Verschlüsselung — IMAP über TLS läuft auf Port
993, STARTTLS auf143.
Eine Sache vorab klären: Manche Anbieter haben ein IMAP-Limit pro Verbindung oder drosseln viele gleichzeitige Logins. Wenn der Quell-Anbieter IMAP überhaupt erst freischalten muss, mach das ein paar Stunden vorher.
Der Beispielbefehl
imapsync installierst du je nach System per Paketmanager (etwa apt install imapsync auf Debian/Ubuntu) oder du nutzt das offizielle Docker-Image. Ein typischer Aufruf sieht so aus:
imapsync --host1 alter-server.de --user1 max@alte-domain.de --password1 'GEHEIM1' --host2 mailcow.enjyn.de --user2 max@neue-domain.de --password2 'GEHEIM2' --ssl1 --ssl2
Die Schalter im Klartext: --host1/--user1/--password1 ist die Quelle, --host2/--user2/--password2 das Ziel. --ssl1 und --ssl2 erzwingen TLS auf beiden Seiten (Port 993). Brauchst du STARTTLS auf 143, nimmst du stattdessen --tls1 bzw. --tls2.
Zwei Schalter, die du am Anfang fast immer willst:
--dry— Testlauf ohne zu schreiben. Zeigt dir, was kopiert würde. Immer zuerst so starten und die Ordnerliste prüfen.--automap— ordnet Sonderordner automatisch zu, damit „Sent" am Quell-Server im richtigen „Gesendet"-Ordner am Ziel landet.
Tipp: Schreib die Passwörter nicht in die History. Lege sie in geschützte Dateien und referenziere sie mit --passfile1 und --passfile2, dann stehen sie nicht im Shell-Verlauf.
Große Postfächer richtig angehen
Bei einem 10-GB-Archiv mit Jahren an Mails kann ein Lauf Stunden dauern. Damit das sauber läuft:
- In Etappen kopieren: Starte einen ersten Durchlauf, während du das alte Postfach noch normal nutzt. Am Umzugstag lässt du imapsync einfach erneut laufen — es überträgt dann nur die seit dem ersten Lauf neu hinzugekommenen Mails. Das hält die eigentliche Downtime auf wenige Minuten.
- Riesige Anhänge ausschließen: Mit
--maxsizeüberspringst du Mails über einer bestimmten Größe — praktisch, wenn ein paar 40-MB-Mails den Lauf ausbremsen und du sie separat behandeln willst. - Quotas am Ziel prüfen: Das Zielpostfach muss genug Speicher haben. Läuft die Quota voll, bricht der Transfer mittendrin ab. Plane lieber etwas Puffer ein.
- Abbrüche sind kein Drama: Bricht der Lauf ab (Timeout, Verbindung weg), startest du denselben Befehl erneut. Dank des inkrementellen Abgleichs macht imapsync da weiter, wo es aufgehört hat.
Was du sonst noch beachten solltest
DNS erst ganz am Ende umstellen. Solange dein MX-Record noch auf den alten Server zeigt, kommen neue Mails dort an. Reihenfolge: erst migrieren, dann am Umzugstag einen letzten imapsync-Lauf, dann den MX-Record auf den neuen Server umbiegen. Plane für die DNS-Umstellung wegen Caching ein paar Stunden Übergang ein, in denen du beide Seiten im Blick behältst.
Zustellbarkeit am Ziel sicherstellen. Bevor du den MX umstellst, sollten am neuen Server SPF, DKIM und DMARC stehen, sonst landen deine ausgehenden Mails danach im Spam. Wie das zusammenspielt, haben wir im Blog separat erklärt.
Nichts vorschnell löschen. Lass das alte Postfach noch ein bis zwei Wochen bestehen, bis du sicher bist, dass alles angekommen ist und neue Mails am Ziel eintrudeln.
Mailcow-Sync-Jobs als Alternative
Wer nicht mit der Kommandozeile hantieren möchte, hat bei einem Mailcow-Server eine bequeme Alternative: Sync-Jobs. Mailcow bringt die imapsync-Logik direkt im Web-Interface mit. Du legst pro Postfach einen Sync-Job an, trägst die Zugangsdaten des Quell-Servers ein (Host, Port, Benutzer, Passwort) und Mailcow holt die Mails periodisch ab — ganz ohne eigenen Befehl.
Der große Vorteil: Ein Sync-Job kann im Intervall laufen. Du richtest ihn ein, lässt ihn im Hintergrund synchronisieren und stellst den MX-Record erst um, wenn der Job einmal komplett durch ist. Sobald die Migration steht, deaktivierst du den Job einfach wieder. Für einen sauberen Umzug mit minimaler Downtime ist das oft der entspannteste Weg.
Mit Nytrix umsetzen
Das E-Mail-Hosting von Nytrix läuft auf einem eigenen Mailcow-Server mit SOGo-Webmail — also genau die Umgebung, in der sowohl imapsync als auch die eingebauten Sync-Jobs zu Hause sind. Migration per imapsync ist ausdrücklich vorgesehen, und DKIM, SPF und DMARC werden automatisch eingerichtet, damit deine Zustellbarkeit nach dem Umzug stimmt. Dazu kommen IMAP/SMTP/POP3, ein Rspamd-Spamfilter und beliebig viele Aliase.
Die Tarife: Starter für 1,99 €/Monat (1 Domain, 3 Postfächer, 5 GB), Standard für 4,99 €/Monat (10 Postfächer, 25 GB) und Pro für 14,99 €/Monat (5 Domains, 50 Postfächer). Alles auf Prepaid-Basis ohne Mindestlaufzeit — du lädst Guthaben auf und buchst, was du brauchst. Wenn du Domain und Postfach am selben Ort haben willst, lassen sich die nötigen DNS-Einträge (MX, SPF, DKIM, DMARC) bei einer Nytrix-Domain direkt im Dashboard setzen.